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Der Landkreis Starnberg ist Fairtrade-Landkreis

Am 19. März 2018 hat der Kreistag einstimmig beschlossen, den Landkreis auf eine Zertifizierung als Fair-Trade-Landkreis vorzubereiten. Am 5. November 2019 hat der Landkreiss offiziell die Auszeichnung Fairtrade-Landkreis erhalten. Nach dem Landkreis München ist er der zweite Fair-Trade-Landkreis in Oberbayern. Er reiht sich ein in 655 andere Kommunen und Landkreise in Deutschland, die diesen Titel tragen.

Der Kreistag hat sich im Kontext des Fairtrade-Landkreis-Beschlusses auch zur Resolution des Deutschen Städtetags zu den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen der UN, der Agenda 2030, bekannt. Hier finden Sie die Stellungnahme: Resolution des Deutschen Städtetags 

alle SDGs

Fairtrade-Kommunen stehen für Weltoffenheit und Engagement - und konkrete Umsetzung im Landkreis

Im Landkreis Starnberg wird mit der Fair-Trade-Initiative ein erster Schritt für diese sog. Agenda 2030 unternommen. Seit 2017 haben verschiedene Gemeinden und die Stadt Starnberg entsprechende Ratsbeschlüsse gefasst, sich auf den Weg zur offiziellen Anerkennung als Fair-Trade-Kommune zu machen. Auch Landrat Karl Roth ist das Anliege wichtig: "Die Flüchtlingskrise hat uns gelehrt, dass Menschen ihre Heimat verlassen, weil es sich dort nicht mehr anständig leben lässt," so der damalig Landrat Karl Roth. Am Landratsamt koordiniert die Stabstelle für den Landkreis die Aktivitäten und vernetzt die lokalen Akteure. „Wir bekommen die Welt, die wir bezahlen, das müsse den Menschen begreiflich und schmackhaft gemacht werden“, sagt Klimaschutzmanagerin Josefine Anderer-Hirt zu den Hintergründen für dieses neue kommunale Engagement. Dementsprechend geht es längst nicht allein um den Verkauf von Produkten aus dem Fairen Handel, sondern vielmehr um eine nachhaltige und beständige Bewusstseinsbildung für gerechte Handelsbeziehungen und Vermarktungsstrukturen.  

Fairer Kaffee, Tee, Schokolade und andere Leckereien dienen dabei eher als Einstiegshilfen: Das sind sogenannte Low-Hanging-Fruits: leicht zu ernten und gut zu vermitteln. Viel schwieriger wird es wenn das Beschaffungswesen in den Verwaltungen konsequent nach nachhaltigen Kriterien auszurichten ist. Da sind dicke Bretter zu bohren in den Verwaltungen, und Überzeugungsarbeit zu leisten, ohne dass man sich im Klein-Klein des Vergaberechts verliert. Noch längst ist es nicht selbstverständlich, dass in den Vorzimmern der Bürgermeister fairer Kaffee ausgeschenkt wird oder in der Verwaltung durchgängig Recycling-Papier verwendet wird. Diese beiden Beispiele zeigen aber auch die Komplexität: es hängt so vieles zusammen, was ja auch die 17 Entwicklungsziele der UN verdeutlichen. In öffentlichen Ausschreibungen „ohne ausbeuterische Kinderarbeit“ festzulegen ist schnell beschlossen. Damit das bei der Umsetzung kein zahnloser Papiertiger bleibt, braucht es Beharrlichkeit, Nachbohren und beherzte Entscheidungen.Das Landratsamt selbst übt sich darin schon seit vielen Jahren im Rahme ihres Umweltmanagements und stellt die Fortschritte im jährlichen Umweltbericht dar.

Schließlich geht es geht „immer wieder und überall um gerechte Rahmenbedingungen und um faire Preise“, sagte stellvertretender Landrat Tim Weidner bei der Verleihung der Fairtrade-Auszeichung am 05.11.2019. Der Landkreis will die große Chance den Wandel hin zu nachhaltigen und emissionsarmen Lebens- und Wirtschaftsweisen auch auf lokaler Ebene  vorantreiben, um das private Verhalten, aber auch das Verwaltungshandeln „enkeltauglich“ zu machen. Der Landkreis wird sich mit der erreichten Auszeichnung nicht ausruhen. So sollen nachhaltige Beschaffungsleitlinien verabschiedet werden.

So ist der Status der Fairtrade-Beschlüsse und Zertifizierungen der Kommunen im Landkreis:

Vollständig Fair-Trade-zertifizierte Kommunen (Stand: 3-2020): Herrsching, Gauting, Feldafing, Starnberg, Pöcking, Tutzing: 55 % der Einwohner des Landkreises sind davon positiv betroffen.

Kommunen mit Beschlüssen, sich auf den Weg zur Zertifizierung zu machen: Gilching, Krailling, und Seefeld. Die bereits zertifizierten Fair-Trade-Kommunen und die mit gefassten Beschlüssen decken inzwischen 80% der Einwohner des Landkreises ab. Fairtrade Kommunen Statistik 2020

Fairtrade-Schools im Landkreis:

Junge Akteure für den fairen Handel zu gewinnen, das scheint den Schulen kein Problem zu sein: Innerhalb von 10 Monaten haben insgesamt vier Schulen diese Auszeichnung erworben. Das Engagement der Kinder und Jugendlichen ist von viel Leidenschaft geprägt, und vor allem macht es den jungen Leuten ganz offensichtlich viel Spaß, sich für diese Sache einzusetzen. Fotos, Videoclips und sogar ein Poetry Slam zeugen davon. Das Beispiel der Schulen macht Mut und entfaltet über die Elternhäuser eine ganz besondere Breitenwirkung. Die Auszeichnung Fair-Trade-School haben erhalten:

  • Benediktus-Realschule Tutzing
  • Gymnasium Starnberg
  • Realschule Gauting
  • Christoph-Probst-Gymnasium

SDG 1

Die Weltläden im Landkreis Starnberg - Einkaufen mit Mehrwert

Die Produktpalette im Weltladen ist unglaublich vielfältig; sie reicht vom aromatischen Kaffee, über außergewöhnliche Geschenkartikel und Schmuck bis hin zu fairer Kleidung. Dabei haben alle Produkte etwas gemein: Sie sind von besonderer Qualität und zugleich ein kleines Stück Weltpolitik. Faire Produkte in den Weltläden sind eine echte Alternative. Sie finden dort viele Dinge, die dazu beitragen, die Existenz der Erzeuger/innen zu sichern. Außerdem können Sie dort mit engagierten Ehrenamtlichen das Gespräch suchen und sich über die Herkunft der Produkte informieren. Nicht zuletzt setzen sich die dort Aktiven für die Fairänderung von politischen Rahmenbedingungen ein.

Hier finden Sie Ihren Weltladen vor Ort: 

Einrichtung Straße, PLZ, Ort
E-Mail
Weltladen der Indienhilfe e.V.im Welthaus "Alte Schule"

Luitpoldstr. 20, 82211 Herrsching

info@indienhilfe-herrsching.de
Eine Welt Laden Gauting Münchner Straße 7, 82131 Gauting info@forumeinewelt-gauting.de
Öko & Fair Umweltzentrum Gauting Berengariastr. 5, 82131 Gauting

info@oeko-und-fair.de

Weltladen Starnberg Kaiser-Wilhelm-Straße 18, 82319 Starnberg info@weltladen-starnberg.de
Weltladen Tutzing e.V. Hauptstraße 47, 82327 Tutzing kontakt@weltladen-tutzing.de

Ein ganz besonderes Schmankerl ist durch die Indienhilfe initiiert und inzwischen auf dem Markt etabliert worden: die Seenliebe-Schokolade von Fairafric direkt in Ghana bis zur Genussreife hergestellt - mit maximaler Wertschöpfung.Es gibt sie in den Weltläden Herrsching, Starnberg, Gauting, bei öko+fair Gauting, in allen Breitwand Kinos, in den Tourist-Infos Starnberg und Herrsching und weiteren Verkaufsstellen. Außerdem hält die Indienhilfe begleitende didaktische Einheiten für verschiedene Jahrgangsstufen bereit, die mit 50 % Zuschuss, zur Fairen Woche sogar mit 80 % Zuschuss in den Schulen eingesetzt werden können. Näheres hier:

BIldungsbaustein Seenliebe
[PDF, 541 kB]

Viele Gründe für gerechte Preise und für den Fairen Handel - eine kleine Argumentationshilfe

  • Produzentinnen und Produzenten, insbesondere kleinbäuerliche Familien in den Ländern des Südens, erhalten für ihre Produkte angemessene Preise, die ihnen eine menschenwürdige Existenz aus eigener Kraft ermöglichen.
  • Die gezahlten Preisaufschläge ermöglichen Gemeinschaftsprojekte der Produzenten-Genossenschaften z. B. Schulen, Kurse etc.
  • Durch gezielte Beratung werden die Kleinbauern befähigt, Qualität für den Weltmarkt zu liefern. Auch eine Anpassung der Anbaumethoden, wie es z. B. die Klimaerwärmung erfordert, wird im Rahmen der Fair-Trade-Begleitung möglich.
  • Die Erzeuger werden im weitesten Sinne fit gemacht für die Platzierung ihrer Waren auf dem lokalen und globalen Markt sowie für die Vertretung ihrer Interessen gegenüber Händlern und der (Agrar-)Politik. Das schafft Bewusstsein, stärkt das Selbstvertrauen, fördert Verantwortlichkeit für die Region und das Heimatland und beugt so Landflucht und Abwanderung vor. (= capacity building)
  • Fairer Handel ist eine Investition in die Zukunft und beugt der internationalen Migration vor. Heute gerechte Preise zu bezahlen verhindert teure Flüchtlingshilfen morgen.
  • Der faire Handel will keinesfalls einheimische Produzenten gegen Lieferanten aus dem Süden ausspielen. Regional bleibt immer erste Wahl. Die Fair-Trade-Bewegung macht vielmehr deutlich, dass bäuerliches Wirtschaften überall auf der Welt eines besonderen Wohlwollens und der Unterstützung bedarf. Faire Preise für ausgewählte Produkte zu bezahlen ist eine Frage der Wert-Schätzung von bäuerlichen Produktionsweisen im Norden wie im Süden.
  • Die Wirkung von Fairtrade wurde in einer Vielzahl von Studien nachgewiesen. Zusammen mit Bio ist Fairtrade das am umfassendsten untersuchte Siegel.

 Zitat von Bundesminister Dr. Gerd Müller vom 18.5.2017:

„Glauben Sie nicht, dass wir unseren Wohlstand auf Dauer auf dem Rücken Afrikas und der Entwicklungsländer aufrechterhalten können, ohne dass die Menschen aus diesen Ländern zu uns kommen und sich dann das holen, was ihnen zusteht.“

SDG 2

17 Nachhaltigkeitsziele der UN für eine Agenda 2030 (SDGs)

"On September 25th 2015, countries adopted a set of goals to end poverty, protect the planet and ensure prosperity for all as part of a new sustainable development agenda. Each goal has specific targets to be achieved over the next 15 years.  For the goals to be reached, everyone needs to do their part: governments, the private sector, civil society and people like you." Quelle: UN SDGs

Den SDGs liegen folgende zentrale Feststellungen zugrunde:  

  • Entwicklung und Umwelt gehören untrennbar zusammen.
  • Armut ist die größte Herausforderung und das größte Hindernis für eine nachhaltige Entwicklung.
  • Die planetarischen Grenzen sind unbedingt zu beachten.

Ganz offensichtich liegen diesen Zielen aber auch Widersprüchlichkeiten zu Grunde wie z. B.

  • Dauerhaftes Wachstum oder ökologische Nachhaltigkeit? (Systemfrage)
  • Landwirtschaft produktiver und/oder nachhaltiger gestalten?
  • Politischer Wille der einzelnen Regierungen, die Ziele tatsächlich umzusetzen?
    (Beispiel: Frauengleichstellung in arabischen Ländern)

SDG 3

Der Kommunalsaisonkalender - Inspirationen für zukunftsweisende Aktionen

Der Kommunalsaisonkalender ist eine Ideensammlung von 52 pfiffigen Aktionen zu Nachhaltigkeit, fairem Handel und Umweltschutz für 52 Wochen des Jahres. Mit ansprechenden Slogans lädt er Kommunen und kommunale Akteure zur Inspiration Umsetzung von einfachen aber zukunftsweisende Aktionen ein. Dabei bezieht sich jede Aktion auf eines oder mehrere der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs). So zeigt der Kalender auch, wie die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen miteinander verwoben sind.

Besonders wichtig ist es die Bürgerschaft und Zivilgesellschaft intensiv in die Umsetzung der Aktionen einzubinden. Mit jedem Bürger und jeder Bürgerin, die sich an der Aktion beteiligt, vervielfacht sich der Effekt, den die Aktionen in der Kommune bewirken. Darüber hinaus kann der Kommunalsaisonkalender auch an die Zivilgesellschaft gegeben werden. Viele Aktionen lassen sich auch von der Zivilgesellschaft in der Kommune anstoßen und umsetzen.

https://www.dstgb.de/dstgb/Quicklinks/weltvorort/Kommunalsaisonkalender/ Der Kommunasaisonkalender ist eine entwicklungspolitische Initiative des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

SDG-Fußspuren: ein Angebot zum Ausleihen

Am Landratsamt kann man für Aktionstage und Kampagnen eine Ausstellung mit den 17 SDGs und dazu passend 38 Fußspuren zur Ermittlung des Ökologischen Fußabdruckes ausleihen: Tel. 08151 148-352 oder per Mail anfragen. Im September werden sie zur Fairen Woche 2020 im Foyer der Kreissparkasse in Starnberg ausgestellt.

Zuständige Stelle

Energie und Klimaschutz
Stabsfunktion 5.1

Schloßbergstraße 1
Über Hintereingang des Tutzinger Hofes
82319 Starnberg
Standort anzeigen

08151 148-442
08151 148-11442
klimaschutz@LRA-starnberg.de
DE-Mail: info@lk-starnberg.de-mail.de

Öffnungszeiten

Allgemeine Öffnungszeiten:

  • Montag, Dienstag und Donnerstag: 7.30 – 18 Uhr
  • Mittwoch: 7.30 – 14 Uhr
  • Freitag: 7.30 – 16 Uhr

Zugang aufgrund der aktuellen Situation nur nach Terminvereinbarung!

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