Mörlbacher Moor: Gesundwerden neben der Autobahn
Es ist kalt heute hier draußen im Moor. Bitterkalt. Trotzdem sind die Arbeiter fleißig. Die Minusgrade halten sie nicht davon ab, Spundwände in den Torfboden zu treiben. Trotz der Arbeiten hört man die Autos auf der angrenzenden Autobahn A 95 vorbeirauschen. Mit Minibagger und Motorsägen sind die Männer in ihrer Schutzkleidung dabei, 25 Torfdämme aus Fichten- und Tannenholz in den Boden einzubauen. Eine sinnvolle Aktion um das Moor zu renaturieren.
Das Wolfseefilz, wie das Moor östlich des Berger Ortsteils Mörlbach auch genannt wird, verliert zunehmend Wasser. Durch die Maßnahmen soll verhindert werden, dass es nach und nach ganz austrocknet.
„Moore haben eine wichtige Funktion für den Natur-, den Klima- und den Hochwasserschutz. Sie binden große Anteile an CO2 und können erhebliche Wassermengen speichern“, erklärt Petra Gansneder, Landschaftspflegeberaterin an der Unteren Naturschutzbehörde.
So kann Torfmoos das 30-fache seines Eigengewichts an Wasser aufnehmen und damit Niederschlagsspitzen um drei Tage verzögern. Und trocknet das Moor aus besteht, neben den Folgen für Flora und Fauna, ein weiteres Problem: die große Mengen an gebundenem Kohlenstoffdioxid werden wieder freigesetzt.
Vor gut 55 Jahren wurde das Autobahnteilstück von Schäftlarn bis Wolfratshausen gebaut. Seit dem führt die Autobahn München-Garmisch zwischen Mörlbach und dem Wolfseefilz hindurch. Auch wir müssen hindurch, um von Mörlbach ins Wolfseefilz zu kommen. Die Unterführung ist mit bunten Graffitis besprüht. Eine große, gelbe Banane scheint uns anzulächeln, was den Verkehr über uns für den Moment etwas erträglicher macht.
Kurz danach sehen wir sie schon, die grünen Moorbagger, die Arbeiter mit den Motorsägen, die Stapel an Holzbrettern, die sie mit der Baggerschaufel in die teils metertiefe Torfschicht rammen. Über 100 Jahre früher waren dort andere Arbeiten zugange. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Torf ein beliebter Brennstoff und damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der ganzen Region. So wurde beispielsweise auch die mit Dampf betriebene Standseilbahn von Leoni hinauf zur Rottmannshöhe mit Torf befeuert.
Um den Torf abzubauen, musste das Moor aber zunächst entwässert werden. Also zog man sogenannte Entwässerungsgräben in den Boden, die bis heute bestehen und dem Boden weiterhin Wasser entziehen.
Bei unserem Besuch heute sind sie mit einer dicken Eisschicht überzogen. „Mit dem Einbau von Torfdämmen, wollen wir dies stoppen und dem Moor die Möglichkeit geben, sich zu erholen“, erzählt Petra Gansneder. Rund 15 Hektar ist das Gebiet groß mit zwei Hochmoorkernen, einer im Süden und ein weiterer im Norden.
Es liegt im Landschaftsschutzgebiet Starnberger See Ost und ist seit 1985 als Biotop kartiert. Auf der Liste sind Hochmoorflächen, Moorwälder, Pfeifengras, Fieberklee, Sumpfblutauge, kleine Schilfinseln und Rohrkolben ebenso zu finden, wie Wollgras und Heidekraut. Auch ein kleiner Weiher ist dort zu finden, der früher vermutlich größer war und zu dem Namen Wolfseefilz führte.
Finanziert wird das Projekt zu 90 Prozent von der Regierung von Oberbayern, 10 Prozent zahlt der Landkreis.
Die Dämme sind also eingebaut und wieder mit Torfboden bedeckt. Jetzt kann sich das Wasser anstauen, das Moor erholen und sich um seine Aufgabe für Natur und Umwelt kümmern. Nach der erfolgreichen Renaturierung des Gilchinger Wildmooses, einem der größten Hoch- und Übergangsmoore im Landkreis Starnberg, vor rund drei Jahren, stand nun also die nächste Maßnahme an. Anders als in Gilching, mit einer Vielzahl von Grundeigentümern, waren hier nur die Gemeinde Berg, der Landkreis sowie ein Grundstück in Privatbesitz beteiligt. Petra Gansneder wird nicht müde, die Notwendigkeit der Moorrenaturierungen zu erläutern.
„Das Moor bei Mörlbach wird nicht die letzte Renaturierungsmaßnahmen gewesen sein“, sagt sie. In diesem Jahr stehen, sobald die Finanzierung geklärt ist, weitere Maßnahmen im Essseemoor bei Seewiesen auf dem Plan.
