Tiere verdienen ein Zuhause, keine Geschenkverpackung
Der Weihnachtsbaum glitzert voller Kugeln und Lichter, der Duft von Tannennadeln und frisch gebackenen Plätzchen liegt in der Luft. Es ist Heiligabend und Zeit für die Bescherung – der Moment, auf den die Kinder seit Wochen voller Vorfreude gewartet haben. Zwischen den Geschenken steht ein mysteriöser Behälter, liebevoll mit einer roten Schleife verziert. Ganz leise, fast unmerklich, bewegt sich etwas darin. Neugierig schauen sich die Kinder an, vorsichtig öffnen sie den Deckel – und plötzlich blinzeln zwei winzige, bernsteinfarbene Augen in die Welt hinaus. Ein leises, fragendes „Miau“ erklingt. Das Kätzchen, klein wie ein Schneeball, wird herausgehoben und tapst mit zittrigen Pfötchen über das Geschenkpapier. Die Kinder sind völlig aus dem Häuschen, Eltern lächeln selig und am Ende fließen überall Tränen der Freude und Rührung.
Eine derartige Szenerie dürfte jeder von uns in den unzähligen Videos auf Social Media, in Filmen und Büchern bereits mehrfach gesehen haben und ja, diese Freude über das niedliche neue Familienmitglied berührt. Ob Katzenbaby, Hundewelpe oder Zwergkaninchen, die Freude unter dem Weihnachtsbaum mag meistens auch wirklich echt sein. Aber leider viel zu oft nicht dauerhaft.
Die Realität zeigt: so manche Weihnachtsüberraschung auf vier Pfoten landet nach den Festtagen schon bald in den Kleinanzeigen oder im Tierheim. Und vollkommen Verantwortungslose setzen Tiere einfach aus, wenn die erste Begeisterung durch Ernüchterung abgelöst wird. Denn Tiere -egal wie klein- sind immer mit Verantwortung, Arbeit und Kosten verbunden.
Mittlerweile verhängen viele Tierheime vor Weihnachten einen Vermittlungsstopp, um zu verhindern, dass Tiere als Geschenk unter den Christbaum gelegt werden. Doch es gibt unzählige Möglichkeiten ein neues Haustier zu bekommen, viele davon mit sehr fragwürdiger Herkunft. Gerade vor Weihnachten - das Angebot passt sich stets der Nachfrage an. Und mancher erliegt der Versuchung, wenn sich die Gelegenheit bietet, kurzfristig ein niedliches Katzen- oder Hundebaby einer besonders gefragten Rasse zum Schnäppchenpreis zu ergattern.
Auch Dr. Susanne Stöckl, Veterinärin im Landratsamt, appelliert eindringlich: „Bitte stellen Sie sich vorab immer die Frage: Passt das potentielle Haustier zu uns als Familie und unserer aktuellen Lebens- und Wohnsituation? Nicht nur während der Weihnachtsferien, sondern dauerhaft. Denn das Leben mit einem Haustier bringt immer auch Veränderungen mit sich. Ein Haustier ist ein neues Familienmitglied mit all den Fürsorgeverpflichtungen, die ein Familienzuwachs mit sich bringt. Heimtiere, sind oft sehr soziale Tiere, wie beispielsweise Kaninchen oder Meerschweinchen, die niemals alleine gehalten werden dürfen. Das heißt Sie müssen sich nicht nur um ein, sondern gleich mindestens um zwei Tiere kümmern. Viele Gründe, weswegen Tiere bereits nach kurzer Zeit wieder abgegeben werden, hätten im Vorfeld einfach abgeklärt werden können wie beispielsweise ein im Mietvertrag vereinbartes Hundehaltungsverbot, eine Katzenhaarallergie oder die fehlende Zeit im Alltag. Auch die dauerhaften finanziellen Aufwendungen für das Haustier dürfen nicht unterschätzt werden. Im jugendlichen Alter sind die Kosten meist noch moderat, aber auch unsere tierischen Mitbewohner werden älter und benötigen oft kostenintensive Pflege und Fürsorge.“
Die alleinlebende Oma mit einem Katzenbaby an Weihnachten überraschen zu wollen, mag natürlich nett gemeint sein. Die Entscheidung, für ein Haustier lebenslang die Verantwortung zu übernehmen, sollte vom künftigen Tierhalter selbst getroffen werden. Vielleicht nicht ganz so emotional, dafür aber deutlich vernünftiger und verantwortungsbewusster: suchen Sie sich ihr zukünftiges Haustier in Ruhe gemeinsam aus, wenn alle wichtigen Punkte im Vorfeld abgeklärt wurden. Ein geliebtes Haustier ist wirklich ein Geschenk, aber es passt eben nicht zu jedem.
Chefsache:
Auch Landrat Stefan Frey besucht das Tierheim Starnberg regelmäßig und setzt sich für dessen Unterstützung voller Überzeugung ein. Das eine oder andere Kätzchen hat er bereits sichtlich ins Herz geschlossen, dennoch überwiegt die Vernunft:
„Wir könnten einem Tier nicht gerecht werden, dafür fehlt uns als Familie schlichtweg die Zeit. Hier im Tierheim Starnberg kümmern sich viele Ehrenamtliche um die Versorgung der Tiere, aber trotz aller Hingabe und Engagement: ein echtes Zuhause lässt sich durch nichts ersetzen."
Selbsttest: Bin ich wirklich bereit für ein Haustier?
Nicht jedes Tier passt zu jedem. Um sich selbst Enttäuschungen und dem Tier ein ungewisses Schicksal zu ersparen, sollten unbedingt einige grundsätzliche Fragen geklärt werden:
- Hast Du genug Zeit Dich um ein Tier zu kümmern?
- Passt ein Tier auch mit Deinen Zukunftsplänen zusammen?
- Sind alle Familienmitglieder mit einem Tier einverstanden?
- Falls sich Dein Kind ein Tier wünscht: Du trägst die Verantwortung und wirst Dich wahrscheinlich doch meist selbst um das Tier kümmern müssen. Bist Du dazu bereit?
- Ob Hund, Katze oder Heimtier: Jedes Tier hat arteigene und individuelle Bedürfnisse. Kannst Du diesen gerecht werden und hast du hierfür ausreichend Platz zur Verfügung?
- Bist Du in der Lage Dein Tier zu verpflegen, auch wenn es einmal krank werden sollte?
- Hast Du bedacht, dass ein Tier nach seiner Anschaffung auch im Unterhalt noch Geld kostet und dieser Unterhalt durchaus sehr unterschiedlich ausfallen kann? Von Futterkosten, Impfungen bis zu den tierärztliche Behandlungen; weißt Du mit welchen Summen Du bei Deinem Wunsch-Tier rechnen musst und bist Du in der Lage, diese Kosten zu übernehmen?
- Kannst Du die Unterbringung und Versorgung des Tieres auch im Urlaub oder bei tageweiser Abwesenheit regeln?
Wenn Du nur eine dieser Fragen nicht positiv beantworten kannst, empfehlen wir Dir -zum Wohle aller- vorläufig auf ein Tier zu verzichten, bis alle Voraussetzungen erfüllt sind.
