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Ein Herz für Wildvögel

Du hast ja wohl einen Vogel? Wenn man das gefragt wird, ist das meist nicht charmant gemeint und man verneint das ganz schnell. Anders bei Andreas Barmbichler, der im Landratsamt beschäftigt ist. Der lacht herzlich und sagt, ja nicht nur einen. Ein Herz für Wildvögel Und nun zur Klarstellung: Andreas kümmert sich in seiner Freizeit um verletzte Wildvögel und päppelt sie in seiner eigens dafür gebauten Vogelrettungsstation auf, bis sie wieder flugfähig sind. Dies macht er bereits seit vielen Jahren und es freut ihn jedes Mal aufs Neue, wenn er diese kleinen Piepmatze wieder in die Freiheit entlassen kann.

Ein Herz für Wildvögel Jetzt im Frühling, wenn die Natur langsam wieder erwacht und es lebhafter wird, zeigt sich einmal mehr die besondere Leidenschaft von Andreas, der sich als engagierter Vogelretter versteht. Mit viel Zeit und Liebe hat er zuhause, seit etwa zwei Jahren, seine Vogelrettungsstation aufgebaut. Dort pflegt er kranke, verletzte und geschwächte Wildvögel. Für ihn ist es eine Herzensangelegenheit diesen Tieren eine zweite Chance zu geben und sie wieder in die Freiheit zu entlassen.

Im Gespräch erzählt er uns, wie er zum Vogelretter wurde und wie viel Liebe, Geld und Zeit er für die Tiere aufbringt:

Andreas, wie bist du dazu gekommen, eine Vogelrettungsstation bei dir zu Hause aufzubauen?Ein Herz für Wildvögel

Ich habe schon als kleines Kind das Fernglas vom Papa genommen und Vögel beobachtet. Ich wusste dann relativ schnell, was das für ein Vogel ist. Inzwischen erkenne ich quasi alle Vögel am Pfeifen, ich muss sie gar nicht sehen. Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, war ich eigentlich immer draußen in der Natur. Mit 10 Jahren habe ich meine erste Ente, den „Anton“ heimgebracht. Zum Leidwesen meiner Eltern. Als Jugendlicher hab ich dann in einer Pflegestation für Greifvögel und Eulen mitgeholfen. Und von da an war für mich ziemlich schnell klar, dass ich das später auch einmal machen möchte.

Auf wieviel Stunden ehrenamtliche Tätigkeit kommst du denn so?
Auf viele, also sehr viele. Genau genommen dauert es von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, sieben Tage in der Woche, bei zehn oder mehr Schnäbel. Es muss regelmäßig gefüttert werden, manche Wildvögel jede halbe Stunde oder Stunde. Jetzt, wo langsam die Hauptsaison beginnt, wird es wieder sehr zeitaufwändig, denn da fängt die Jungvögel Saison an und die Amseln bekommen meist schon ihre Jungen. Aber diese wertvolle Aufgabe hat eine sehr große Bedeutung für mich. Es ist quasi mein Ausgleich von der Arbeit, und ein sehr erfüllendes Hobby.

Wie müssen wir uns Deine Arbeit vorstellen?
Im vergangenen Jahr waren es etwa 50 Wildvögel, die ich gepflegt und aufgepäppelt habe. Und es werden jedes Jahr mehr. Unter anderem versorge ich eine Amsel und einen Zilpzalp.Ein Herz für Wildvögel Ein Herz für Wildvögel Dieser hatte sich vor Wintereinbruch einen Flügel angebrochen, war total abgemagert und hatte Gefiederschädlinge. Dem Zugvogel fielen die Schwanzfedern aus und damit war er flugunfähig. Zuerst wurde der Kleine beim Tierarzt geschient und dann in einem großen Käfig im Innenbereich, der mit einer speziellen Vogellampe ausgestattet ist, in der kalten Jahreszeit untergebracht. Da er ein geselliger Vogel ist kann er dort gut mit den anderen Artgenossen leben, und ist somit nicht allein. Zum Glück frisst er mittlerweile selbstständig. Er bekommt Mehlwürmer und Heimchen, das sind kleine Heuschrecken. Jetzt im Frühjahr, wenn seine Artgenossen wieder aus dem Süden hierher kommen um zu brüten, werde ich auch den Kleinen in die Freiheit entlassen. Und wenn sie dann alle wieder im Spätherbst in den Süden fliegen ist hoffentlich auch mein Pflege-Zilpzalp dabei.

Das hört sich nicht nur nach viel Zeit, sondern auch nach Geld an, dass Du hier investierst?

Ja, diese wertvolle Aufgabe kostet auch viel Zeit und ist nicht gerade günstig. Tierfutter, Körner, Würmer, Heimchen oder Vitamine, das verschlingt einiges aus der Haushaltskasse. Denn die hungrigen Untermieter auf Zeit fressen ziemlich viel davon. Bei Jungvögel in der Hochphase, Frühling bis Spätsommer, sind es etwa 1000 Futtertiere in einer Woche. 

Ein Herz für Wildvögel

Ein Herz für Wildvögel



Hier sind einige Tipps für die Vogelrettung:

  • Nicht jeder Vogel, gerade in der Jungvogelsaison braucht Hilfe. Ganz viele sitzen einfach nur da und schauen, obwohl die Mutter in der Nähe ist. Da bitte nicht hingehen oder den Vogel mitnehmen. Besser aus der Ferne über längere Zeit beobachten, ob die Eltern nochmal zum Füttern kommen und erst dann Hilfe leisten.

  • Falls ein Vogel doch verletzt wirkt, weil er gegen eine Scheibe oder ähnliches geflogen ist gibt es folgende Vorgehensweise: Bringt die verwundeten Vögel an eine fachkundige Stelle, wie z. B. ins Tierheim oder zu einem Tierarzt. Und bis dahin am besten eine Art Nest aus einem Handtuch bauen und den verletzten Vogel in einer abgedunkelten und ausbruchsicheren Kiste transportieren. Falls es sich um einen jagdbaren Wildvogel handelt, wie beispielsweise Rebhuhn, Fasan oder auch Grau- und Kanadagänse usw., ist der zuständige Jagdausübungsberechtigte zu informieren. Dieser kann über die untere Jagdbehörde in der Kreisverwaltung ermittelt werden. Eine genaue Auflistung welche Vögel oder welches Federwild dem Jagdrecht unterliegen ist in § 2 Abs. 1 Nr. 2 des Bundesjagdgesetzes zu entnehmen.

  • Den verletzten Vogel nicht wieder in eine Wiese oder angrenzenden Busch setzen, da er sonst leichtes Opfer für Katzen, Marder oder Raubvögel sein kann.

  • Es wird nicht empfohlen, dem Fundvogel Wasser zu geben, denn die Luft- und Speiseröhre ist so nah beieinander, dass so ein kleines Lebewesen schnell ersticken kann, wenn man es nicht richtig macht.

  • Hilfreich ist auch eine kleine Futterstelle und Wasserschale im Garten aufzustellen. Wenn es die Möglichkeit gibt, einen Busch, Vogelbeerbaum oder einen kleinen Bereich im Garten als Wildblumenwiese stehen lassen. Nistmöglichkeiten wären auch toll.
  • Wertschätzend und ein guter Ansatz ist es auch, bei der Pflegestation nicht nur den Vogel, sondern auch eine kleine Geldspende für das Futter mit abzugeben.

 

Wer Fragen hat:

  •  zum Artenschutz oder bei der Betroffenheit von Tieren der streng geschützten Arten wendet sich an die untere Naturschutzbehörde naturschutz@lra-starnberg.de.   Einen ersten Überblick über den Schutzstatus von Tierarten kann die Internetseite des Bundesamtes für Naturschutz www.wisia.de verschaffen.
  •  zum Jagdrecht (z. B. bei Tieren, die dem Jagdrecht unterliegen) wendet sich an jagd@lra-starnberg.de.
  •  zu Haltungsvorgaben beim Thema Wildvogelauffangstation (z. B. Erlaubnis nach § 11 TierSchG), wendet sich an die Veterinärbehörde veterinaerwesen@lra-starnberg.de.
  • beim Wildtierfund, kann sich über die kostenlose App „Wildtier-SOS“ informieren. Diese App soll Fehlentscheidungen im Umgang mit vermeintlich hilfsbedürftigen Wildtieren vermeiden und den Tierschutz durch wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen stärken.

 

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