Mit Schulterblick Dooring-Unfälle vermeiden
Verkehrsunfälle, bei denen Radfahrer oder E-Scooter-Fahrer mit einer plötzlich geöffneten Tür eines parkenden Autos kollidieren, werden immer häufiger. Dooring-Unfälle nennen sie die Verkehrsexperten, die meist schwerwiegende Verletzungen für die Betroffenen mit sich bringen. Daher hat das Landratsamt den diesjährigen Radl-Check um einen Informations- und Präventionsschwerpunkt zum Thema „Dooring-Unfälle“ ergänzt und demonstrierte beim Aktionstag, dass mit einem einfachen Tipp, dem sogenannten holländischen Griff, solche Situationen meist erst gar nicht entstehen.
Dooring-Unfälle können durch eine erhöhte Aufmerksamkeit von Auto- und Fahrradfahrern sowie durch gegenseitige Rücksichtnahme deutlich reduziert werden. „Für Autofahrer gibt es den sogenannten „holländischen Griff“, erklärt Andrea Schmölzer vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Fürstenfeldbruck-Starnberg. Im Rahmen des diesjährigen Fahrrad-Checks vor dem Landratsamt hat Schmölzer den für Autofahrer nützlichen Griff vorgestellt. Dabei öffnet man die Autotür mit der Hand, die weiter von der Tür entfernt ist. Als Fahrer also die rechte Hand. Der Oberkörper dreht sich dadurch automatisch und man sieht über die Schulter, ob sich ein Radfahrer nähert. Um diesen Ablauf beim Aussteigen zu verinnerlichen und sich regelmäßig ins Gedächtnis zu rufen, hat das Landratsamt Sticker angefertigt, die an die Innenverkleidung der Autotür geklebt werden können und bei jedem Aussteigen an den Schulterblick erinnern. Die Sticker sind weiterhin kostenlos am Landratsamt bei Mobilitätsprojekte erhältlich oder können über das online-Bestellungstool kostenlos bestellt werden.
„Kleben Sie sich die Sticker in die Autotüre“, appelliert die Radverkehrsbeauftrage Kathrin Theelen. „Denn die Radfahrenden haben kaum eine Chance rechtzeitig auszuweichen. Für eine Reaktion bleiben meist nur wenige Sekunden und eine Kollision lässt sich häufig nicht mehr verhindern. Die Folgen können jedoch gravierend sein: Über Schürfwunden, Knochenbrüche, Prellungen und Kopfverletzungen bis hin zu Unfällen mit Todesfolge. Treten Radfahrer mit der durchschnittlichen Radfahr-Geschwindigkeit von knapp 20 km/h in die Pedale, brauchen sie je nach Reaktionszeit etwa elf Meter Distanz zum Fahrzeug, um rechtzeitig bremsen zu können und einer Kollision zu entgehen. Die sind aber in der Realität selten vorhanden“, erklärt Theelen weiter.
Eine bundesweite Erhebung zu Dooring-Unfällen gibt es aktuell noch nicht. Unfallversicherer gehen allerdings davon aus, dass bei fast jedem fünften Unfall mit einem parkenden Auto Dooring eine Rolle spielt. Laut der ADAC-Statistik stehen rund 18 Prozent aller Unfälle von Fußgängern oder Radfahrern im Zusammenhang mit parkenden Fahrzeugen. Mehr als die Hälfte dieser Unfälle sind auf plötzlich öffnende Türen zurückzuführen. Diese Entwicklung greift das Landratsamt auf und setzt in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf die Prävention von Dooring-Unfällen. Gemeinsam mit dem ADFC Starnberg und dem VCD, Kreisverband Fürstenfeldbruck-Starnberg, klärte das Landratsamt über die Gefahren dieser Unfallart auf und vermittelte wichtige Verhaltensregeln für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Aber nicht nur Autofahrer, auch Radfahrer können für ihre eigene Sicherheit sorgen, indem sie einen empfohlenen Abstand von mindestens 1 bis 1,5 Meter zu parkenden Fahrzeugen einhalten, ihre Geschwindigkeit in engen Bereichen reduzieren und auf Personen im Fahrzeug achten. Das Landratsamt hatte bei der Aktion ein Auto bereitgestellt, um farblich die Gefahrenzone sichtbar zu machen, die bei geöffneter Autotür entsteht. Damit haben die Besucher ein Gefühl dafür bekommen, mit welchem Abstand die Radfahrer auch bei geschlossener Autotür an geparkten Autos vorbeifahren sollten.
Anhand anschaulicher Beispiele machte der ADFC Starnberg ebenso deutlich, wie sich das Risiko von Dooring-Unfällen bereits mit weiteren einfachen Maßnahmen verringern lässt. Im Mittelpunkt standen dabei alltägliche Situationen wie das richtige Parken entlang von Straßen sowie Geh- und Radwegen oder durch überhängendes Grün eingeschränkte Geh- und Radwege, die immer wieder zu gefährlichen Verkehrssituationen führen können. Viele Besucher nahmen zudem am Dooring-Quiz teil und freuten sich über Gewinne wie Flicksets fürs Fahrrad oder Erste-Hilfe-Sets. Auch zum aktuell stattfindenden STAdtradln gab es Informationen.
Zahlreiche Radfahrer nutzten beim Aktionstag parallel die Gelegenheit, ihr Fahrrad beim kostenlosen Radl-Check des Landratsamts und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK) auf Verkehrssicherheit überprüfen zu lassen. Fachkundige Experten kontrollierten die Fahrräder auf Verkehrssicherheit und StVZO-Konformität. Und die Profis hatten einiges zu tun. Die häufigsten Mängel waren fehlende Reflektoren und Licht sowie nicht gut funktionierende Schaltungen und Bremsen.