Informationen zu Bornavirus
Jährlich treten in Deutschland etwa 5 – 10 Bornavirus-Infektionen auf, die meisten davon in ländlichen Regionen Bayerns.
Was verursacht die Erkrankung?
Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) ist schon seit langem als Erreger der Borna’schen Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren in Mitteleuropa bekannt. BoDV-1 konnte allerdings erst 2018 als Ursache für schwere Enzephalitiden beim Menschen nachgewiesen werden.
Welche Symptome können auftreten?
Krankheitszeichen sind anfangs meist Kopfschmerzen, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl. Innerhalb weniger Tage kommt es zu neurologischen Symptomen, wie Verhaltensauffälligkeiten, Sprach- und Gangstörungen. Im weiteren Verlauf entwickeln die Erkrankten eine schwere Enzephalitis und fallen nach einigen Tagen bis Wochen in ein tiefes Koma. Die meisten Erkrankungsfälle (> 90%) versterben an der Bornvirus-Infektion.
Wie erfolgt die Ansteckung und wie lange ist man infektiös?
Die Ansteckung erfolgt über Feldspitzmäuse (Crocidura leucodon), die lebenslang infiziert sind, ohne selbst zu erkranken. Die 6 – 8 cm großen Feldspitzmäuse scheiden das Virus über Urin, Haut, Kot und Speichel aus. Der genaue Übertragungsweg ist bisher nicht geklärt. Ein direkter Kontakt mit einer BoDV1-positiven Spitzmaus ist vermutlich nicht notwendig, wahrscheinlicher ist eine unbemerkte Infektion durch Kontakt mit den Ausscheidungen, über Lebensmittel oder durch Einatmen von infektiösen Partikeln.
Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist sehr unwahrscheinlich (die Übertragung im Rahmen von Organtransplantation ausgenommen). Es gibt derzeit keine Hinweise, dass andere Tiere als die Spitzmaus (z.B. Pferd, Alpaka, Schaf, Biber, Igel) das Virus ausscheiden, auch wenn sie durchaus erkranken können.
Wie lange dauert es bis zum Ausbruch der Krankheit?
Welche Therapien gibt es?
Welche allgemeinen Verhaltensmaßnahmen werden empfohlen?
Lebende oder tote Spitzmäuse sowie deren Ausscheidungen sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden. Werden Spitzmäuse im häuslichen oder Arbeitsumfeld festgestellt, sollte ihre Nahrungsquelle gefunden und beseitigt werden.
Sollten in BoDV-1 Gebieten tote Spitzmäuse gefunden werden, sollten die Tierkörper sicher beseitigt werden (Anleitung siehe unter Links).
Falls man Kontakt zu Spitzmäusen und/oder deren Ausscheidungen gehabt hat, ist es wichtig, sich sofort die Hände zu waschen und zu desinfizieren. Nach Tätigkeiten mit Staubbelastung sollte sofort geduscht (inkl. Haare waschen) und die mit Staub kontaminierte Arbeitskleidung gewaschen werden.
Ist die Krankheit meldepflichtig?
Seit dem 1. März 2020 gibt es eine Meldeplicht für den Labornachweis von Bornavirus-Infektionen (BoDV-1, VSBV-1).
Was gilt in Gemeinschaftseinrichtungen?
Welche Regelungen gelten für Arbeiten mit Lebensmitteln?
Wie kann ich mich gegen eine Ansteckung schützen?
Eine Schutzimpfung ist nicht verfügbar. Das Risiko einer Infektion kann momentan nur durch Vermeidung des Kontakts mit Spitzmäusen und deren Ausscheidungen reduziert werden.
Wo kommt BoDV-1 vor?
Das Bornavirus BoDV-1 kommt in Deutschland nur in spezifischen Gebieten vor (s. Karte unter Links). Darüber hinaus wurde BoDV-1 in manchen Regionen der Schweiz, Liechtensteins und Österreichs nachgewiesen. In betroffenen Gebieten ist nicht die gesamte Feldspitzmaus-Population, sondern vermutlich nur eine Minderheit der Tiere Träger des Virus.
Was ist sonst noch wichtig?
„Frühtests“, z.B. nach Kontakt mit Spitzmäusen, gibt es nicht.
Bunthörnchen-Bornavirus 1 (VSBV-1) ist genetisch verwandt mit BoDV-1 und wurde bei Bunt- und Schönhörnchen sowie vereinzelt bei anderen verwandten exotischen Hörnchenarten nachgewiesen. In seltenen Fällen kam es zur Übertragung dieses Virus von infizierten Hörnchen auf Züchter oder Tierpfleger. In wildlebenden heimischen Eichhörnchen wurde das Virus bisher nicht nachgewiesen.
weiterführende Links
FLI: Karte Verbreitung BoDV-1: Bornaviren, BoDV-1, VSBV-1 | Friedrich-Loeffler-Institut
RKI: Merkblatt.pdf
LGL: Informationen zu Infektionen mit dem Borna Disease Virus 1 (BoDV-1)
Gesundheit: Infektionskrankheiten A-Z: Erkrankung durch das Bornavirus
Sichere Entsorgung von toten Spitzmäusen, Mäusen & anderen Kleinsäugern
Sichere Entsorgung von toten Igeln